ReUse in der Praxis: Was die Wohnhäuser LysP8 und Hobelwerk über zirkuläres Bauen lehren
Wie verändert die Wiederverwendung von Bauteilen die Planung und Realisierung von Wohnbauten? Die Ausgabe 06/26 des Architekturmagazins werk, von bauen+wohnen geht dieser Frage anhand konkreter Projekte nach. Besonders spannend: der Beitrag «Wohnen und Wiederverwenden», der zwei realisierte Wohnbauten in Basel und Winterthur untersucht und dabei Chancen, Herausforderungen und Grenzen von ReUse beleuchtet.
Design by Availability in der Praxis
Mit den Wohnhäusern LysP8 in Basel von Loeliger Strub und Haus D im Hobelwerk Winterthur von Pascal Flammer stellt der Artikel «Wohnen und Wiederverwenden» zwei bedeutende ReUse-Wohnbauprojekte der Schweiz vor. Der Artikel zeigt dabei anschaulich, dass ReUse weit mehr ist als das Wiederverwenden einzelner Bauteile.
Entscheidend sind die Prozesse dahinter: die Identifikation geeigneter Bauteilminen, die Prüfung der Verfügbarkeit, die Qualitätssicherung und die Integration in die Planung. Bei beiden Projekten spielten die ReUse-Fachplaneri:innen von Zirkular eine zentrale Rolle, die das Projekt bei der Bauteilbeschaffung unterstützte.
Die Erfahrungen aus Basel verdeutlichen, dass erfolgreiche ReUse-Projekte eine hohe Flexibilität erfordern und dass sich der ökologische Nutzen insbesondere dann entfaltet, wenn Bauteile möglichst unverändert und ohne aufwendige Bearbeitung erneut eingesetzt werden können.
Lohnt sich ReUse wirklich?
Eine der spannendsten Fragen des Artikels betrifft die Wirtschaftlichkeit. Der zusätzliche Planungsaufwand für ReUse wird häufig diskutiert – der ökologische Nutzen hingegen lässt sich zunehmend quantifizieren. So weist die von Nachhaltigkeitsexpertin Katrin Pfäffli erstellte Ökobilanz für das Wohnhaus LysP8 lediglich 6,9 kg CO₂-Äquivalente pro Quadratmeter und Jahr aus. Die Resultate stimmen optimistisch: Sie zeigen, dass ambitionierte Klimaziele und der Weg zum Nettonullziel im Hochbau bereits heute erreichbar erscheinen.
Darüber hinaus unterstreicht der Artikel, dass erfolgreiche ReUse-Projekte Teil einer ganzheitlichen Nachhaltigkeitsstrategie sind. Neben der Wiederverwendung von Bauteilen tragen auch ressourcenschonende Tragwerke, langlebige Konstruktionen und flächeneffiziente Wohnformen wesentlich zur Gesamtbilanz bei. Einen besonders spürbaren Beitrag leisten zudem strukturelle Entscheidungen wie der Verzicht auf ein Untergeschoss, der im Beispielprojekt von Winterthur zu einer deutlichen Reduktion des Materialeinsatzes führt.
ReUse mit EcoTool fundiert bewerten
Die Beispiele aus Basel und Winterthur machen deutlich, wie wichtig eine fundierte Bewertung der tatsächlichen Umweltauswirkungen von ReUse-Massnahmen ist. Denn auch wiederverwendete Bauteile verursachen Emissionen – beispielsweise durch Demontage, Transport, Aufbereitung oder Wiedereinbau.
Mit EcoTool können Planende und Bauherrschaften bereits in frühen Projektphasen nachvollziehen, welchen Einfluss ReUse auf die Ökobilanz eines Gebäudes hat und an welchen Stellen die grössten CO₂-Treiber liegen. Bauteilschichten lassen sich im Bereich der Bauteiloptimierung gezielt als «ReUse» markieren. Hierfür sind in der Datenbank vereinfachte ReUse-Faktoren hinterlegt, die von unserem Partner Zirkular berechnet wurden. Dadurch wird sichtbar, welchen Einfluss die Wiederverwendung von Bauteilen auf die Ökobilanz hat und wie sich unterschiedliche Varianten miteinander vergleichen lassen.
→ Wie EcoTool bereits in frühen Projektphasen mit wenigen Informationen eine erste Abschätzung der Emissionen von Projekten mit ReUse-Bauteilen ermöglicht, erläutern wir in unserer Dokumentation transparent und detailliert.
Die im Artikel vorgestellten Projekte zeigen eindrücklich: ReUse entwickelt sich vom Pilotprojekt zur realen Planungsaufgabe. Umso wichtiger werden Werkzeuge, die ökologische Auswirkungen transparent machen und fundierte Entscheidungen ermöglichen.
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