Case Study: Wie JOM die Baukosten und den CO₂-Fussabdruck parallel ausweist
Nachhaltiges Bauen scheitert in der Praxis oft an wirtschaftlichen Hürden. Das Zürcher Büro JOM Architekten bricht diese Barriere auf: Bei Grossprojekten wie der Arealentwicklung «Zukunft Bahnhof» werden Treibhausgas-Emissionen und Kosten von Beginn an als gleichwertige Parameter nebeneinander ausgewiesen. EcoTool liefert der Bauherrschaft so bei jedem Meilenstein eine verlässliche Entscheidungsgrundlage.
Praktische Ansätze und strategische Beratung
JOM Architekten erproben kreislauffähige Methoden regelmässig in der Praxis – so auch beim Umbau des eigenen 250 m² grossen Studios in Zürich-Wipkingen, das gemeinsam mit Zirkular grösstenteils mit ReUse-Bauteilen realisiert wurde.
Einblicke in den Büroalltag bei JOM Architekten. Fotos: Thomas Stöckli
Neben der klassischen Projektierung bringt das Büro seine Expertise zunehmend in strategische Beratungen ein. JOM unterstützt beispielsweise kleine Wohnbaugenossenschaften bei der Definition ihrer Nachhaltigkeitsziele und wirkte am ecobau-Leitfaden für Bauherren zur Bestellung von Treibhausgas-reduzierten Gebäuden mit. Solche Standards tragen massgeblich dazu bei, dass Instrumente zur Ökobilanzierung in der Branche frühzeitig angefordert werden.
«Nachhaltigkeit ist für uns schlicht das neue Normal. Genau wie die Kosten sollten auch die CO₂-Emissionen standardmässig und selbstverständlich von den frühen Phasen an mitberechnet werden. EcoTool ist in der Handhabung extrem direkt und Hands-on. Damit wird die Ökobilanzierung zu einer messbaren Grösse, die wir im gesamten Projektverlauf immer wieder gezielt optimieren können.»
Arealentwicklung «Zukunft Bahnhof» Lichtensteig
Wie sich diese Haltung auf komplexere Aufgaben übertragen lässt, zeigt die modellhafte Arealentwicklung «Zukunft Bahnhof» in Lichtensteig, die als Nationalfonds-Projekt in Kooperation mit der Ostschweizer Fachhochschule (OST) sowie der Genossenschaft Freudenau realisiert wird. JOM verantwortet dabei die Sanierung des denkmalgeschützten Chössi-Theaters in der historischen Bahnhofshalle von 1892 sowie den ökologisch ambitionierten Neubau «Freischwimmer».
Für das Gesamtareal wurde eine Ökobilanzierung gemäss Klimapfad SIA 390/1 verbindlich im Gestaltungsplan verankert. JOM hat dafür den Prozess umgedreht: Vorhandene Bauteile des Bestands wurden frühzeitig analysiert und sämtliche Varianten von Beginn an mit EcoTool berechnet. Da die Sanierung und Planung parallel in Kosten und CO₂-Emissionen ausgewiesen werden, liefert das Tool der Bauherrschaft bei jedem Meilenstein eine transparente und verlässliche Entscheidungsgrundlage.
Wissenstransfer im Team
Der Anspruch an die Software ist die Verbindung von Zirkularität und CO₂-Fussabdruck in einer handhabbaren Anwendung. Um dieses Know-how im Büro breit abzustützen, lässt JOM die Ökobilanzierung auch nachträglich für bestehende Projekte berechnen – und zwar direkt durch die jeweiligen Projektleitenden. Die intuitive Benutzerführung ermöglicht es dem gesamten Team, im Selbstversuch zu lernen, wie sich konstruktive Entscheidungen auf die graue Energie auswirken, und die Software selbständig anzuwenden.
«Das Besondere an EcoTool ist, dass man damit direkt entwerfen kann. Die Anwendung ist so einfach und intuitiv, dass sie nicht bremst, sondern den kreativen Prozess beflügelt. Das Tool schafft genau die Transparenz, die wir brauchen, um Nachhaltigkeit bei jedem wichtigen Entscheid als gleichwertige Argumentationsbasis auf dem Tisch zu haben.»
Fazit: Das Tool als gestalterischer Kompass
Das Projekt «Zukunft Bahnhof» macht deutlich: Wenn anspruchsvolle ökologische Ziele im Gestaltungsplan verankert sind, benötigt die Planung Werkzeuge, die flexibel parallel zur kreativen Arbeit laufen. EcoTool beweist im Alltag von JOM, dass es sowohl die Argumentation gegenüber Bauherrschaften stärkt als auch den Architektinnen und Architekten als pragmatischer Kompass im täglichen Entwurfsprozess dient.
→ Zur Website von JOM Architekten
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